Finanzblasen

in Deutsch D-A-CH5 years ago

Liebe Hivegemeinde,
Liebe Freiheitsfreunde,
Liebe Freiheitsfeinde,
Liebe Finanzbläser (nein das ist unpassend),

seit bestimmt 10 Jahren hören wir von zahlreichen alternativen Medien und Twitter-Accounts:

Die Federal Reserve hat durch ihre Gelddruckerei eine gewaltige Finanzblase aufgepumpt, die jeden Moment platzen wird und dann das weltweite Finanzsystem mit sich in die Tiefe reißt.

Unter den Warnern gibt es verschiedene Kategorien:

  1. Die Old-School Typen vom Alter her 50 aufwärts.
    Diese Leute empfehlen Edelmetalle, Waffen, Bunker und Lebensmittel, die bis ins Jahr 3022 haltbar sind bzw. Seminare zur Krisenvorsorge zu buchen.
    Die empfohlenen Rettungsboote gibt es natürlich alle auf der eigenen Internetseite.

  2. Die New-School Typen.
    Diese Leute sind zwischen 25 und 40 Jahre alt.
    Sie empfehlen vor allem Bitcoin, aber je nach Einstellung auch Waffen, Bunker und Lebensmittel, die bis ins Jahr 3022 haltbar sind bzw. Seminare über Kryptowährungen zu buchen.
    Die empfohlenen Rettungsboote gibt es natürlich alle auf der eigenen Internetseite.

Es gibt aber auch die ganz junge Generation.
Die sagen Dinge wie, Stonks only go up und 💎🙌🚀🚀🚀🚀🚀 #Bitcoin und machen momentan Kohle ohne Ende.

Ich wünschte ich gehörte zur ganz jungen Generation.
Dann hätte ich auch Kohle ohne Ende und Kim Basinger würde sich jetzt nicht von 50 Cents, sondern von mir scheiden lassen.

Leider habe ich aber die Jahre 2000 und 2008/09 an der Börse miterlebt und sehe momentan auch ein Blase.
Nur weiß ich, dass die Federal Reserve damit nichts zu tun hat.

Die Blase

Werfen wir einen Blick auf die Charts.

1. S&P 500:

SPX.png

2. Nasdaq 100:

NDX.png

3. Russell 2000:

RUT.png

4. BTC:

BTC.png

Ich würde sagen, die Charts sprechen für sich selbst.

Warum die Fed?

Die Geschichte, die man immer wieder hört ist folgende:
Die Federal Reserve druckt Geld und kauft damit den Banken Staatsanleihen ab (QE).
Mit diesem neu gedruckten Geld kaufen die Banken dann Aktien und treiben die Kurse hoch.
Außerdem manipuliert die Fed die Zinsen nach unten, was auch die Aktien-und Anleihenkurse nach oben treibt.

Gerne wird diese Erklärung dann vermischt mit Freimaurerzeichen auf den Banknoten, Illuminaten, komplett in Privatbesitz, Jekyll Island, wurde noch nie vom Kongress überprüft, Abstimmung an Weihnachten, usw.

Die Erklärungen sind natürlich völliger Unsinn, aber es ist einfach so schön den einen Schuldigen zu haben, den man für alles Übel dieser Welt verantwortlich kann.

(Ich will gar nicht auf all die Mythen eingehen. Cullen Roche hat aber einen sehr guten Artikel darüber geschrieben)

Die Leute stehen einfach auf die ganzen Mythen.

Würde man Videos oder Bücher herausbringen, in denen man zeigt wie langweilig die Fed tatsächlich ist, würde es keine Sau lesen.

Auch die Federal Reserve Präsidenten tragen etwas zu dem Mythos bei.
Lassen sie sich doch gerne dafür feiern, dass sie die Wirtschaft und Aktienmärkte retten.
Kann man verstehen.
Wenn alle sagen würden, ich hätte den längsten, würde ich das auch nicht bestreiten.

Über die Anleihenmärkte und Zinsen habe ich ja in der Vergangenheit schon genug geschrieben.
Gehen wir also heute auf die Aktienmärkte ein.

Was passiert wenn eine Bank Wertpapiere kauft

Gerne wird ja, um die oben genannten Argumente zu untermauern, ein Chart der Geldmengenentwicklung gezeigt.

M1:

M1.PNG

Screen Shot 2021-02-20 at 8.46.11 PM.png

MZM (Money Zero Maturity):
MZM.PNG

Screen Shot 2021-02-20 at 8.54.30 PM.png

Und dann ist für die meisten der Fall klar.
Die Geldmenge steigt, die Aktienmärkte steigen.
Ganz klar die Fed manipuliert durch ihre Gelddruckerei die Aktienmärkte nach oben.

Kurz zur Fed:
Eine Zentralbank fungiert in Wirklichkeit hauptsächlich als Clearingstelle zwischen den Banken.
Banken rechnen untereinander in Zentralbankreserven ab.
Diese Reserven können nur von der Zentralbank kommen.
Das Bankensystem kann sich diese Reserven von der Zentralbank leihen oder die Zentralbank kauft Wertpapiere von den Banken und zahlt mit Reserven oder der Staat gibt Geld aus und die Zentralbank überweist dieses Geld dann in Form von Reserven an die Banken.

Sehr wichtig:
Reserven stehen nur den Banken zur Verfügung und können das Bankensystem nicht verlassen.
Man kauft mit Reserven auch keine Aktien.
Man kauft entweder Staatsanleihen von der Zentralbank oder der Regierung, was die Reserven wieder vernichtet oder man leiht sie sich untereinander.
Weil Reserven keine Zinsen bringen, versuchen alle Banken die Überschüsse los zu werden und der Zins (overnight rate), zu dem sich die Banken die Reserven untereinander leihen, tendiert Richtung null und wird von der Fed in der Regel künstlich hoch gehalten (z.B. in dem man Zinsen auf Einlagen bei der Fed zahlt).

Zurück zum Wertpapierkauf der Banken:
Will eine Bank eine Aktie kaufen, dann erschafft sie neues Buchgeld und zahlt damit.
Sie erzeugt also eine Forderung gegen sich selbst.

Hat der Verkäufer der Aktie sein Konto bei der Bank, die die Aktien kauft, muss die Bank praktisch gar nichts tun.
Sie schreibt dem Kunden den Betrag auf dem Konto gut und trägt diesen Betrag auf die Passivseite ihrer Bilanz ein.
Die Aktien kommen auf die Aktivseite ihrer Bilanz.

Hat der Wertpapierverkäufer sein Konto bei einer anderen Bank, dann muss sie dieser Bank die entsprechende Summe an Reserven übertragen.
Sie selbst verliert Reserven, die andere Bank gewinnt Reserven.
Hier ändert sich nichts.

Fakt ist aber, dass sich die (Buch-)Geldmenge erhöht hat.
Die Bank hat neues Geld erschaffen, um die Aktien zu kaufen.

Aktienkäufe der privaten Banken führen also zu einem Anstieg der Geldmenge und nicht umgekehrt.

Die Fed hat damit gar nichts zu tun.

Wenn es so einfach geht, warum kaufen dann die Banken nicht einfach alle Aktien?
Es gibt bestimmte Eigenkapitalregeln.
Eine Bank muss ein Wertpapier, welches sie in ihre Bücher nimmt, mit einem bestimmten Prozentsatz Eigenkapital hinterlegen.
Hat sie nicht genug Eigenkapital, dann kann sie keine zusätzlichen Wertpapiere kaufen.

Die wahren Schuldigen

Damit die Anleger Aktien kaufen können, brauchen sie Geld.
Dieses Geld kann nur in die Welt kommen, wenn sich jemand verschuldet.
Dies kann der Privatsektor sein, oder der Staat.

Schauen wir uns den Privatsektor an:

Private Sektor.PNG

Wie man sehen kann, hat sich der U.S. Privatsektor in den letzten 20 Jahren zwei Mal netto verschuldet.
Die Folge war eine Blasenbildung im Aktien-bzw. Häusermarkt mit einem Crash als Folge.

Schauen wir uns das Staatsdefizit der USA an:

Deficit.PNG

Wie man sehen kann, bewegt sich das Staatsdefizit entgegengesetzt der Privatverschuldung.

Staatsausgaben = Einnahmen/Ersparnisse des Privatsektors

Hier sehen wir also den wahren Schuldigen.
Je größer das Staatsdefizit, desto mehr Geld landet in der Wirtschaft.
Dieses Geld landet immer, nachdem es etliche Male den Besitzer gewechselt hat, in den Finanzmärkten.
Früher war das Defizit nicht besonders groß und hatte keinen so großen Einfluss.
Aber momentan ist es extrem.

Das Corona - Geld wird mit der Gießkanne verteilt und mindestens 50% brauchen die staatlichen Hilfen eigentlich gar nicht, da sie ihr Einkommen während der Corona-Krise überhaupt nicht verloren haben.
Ausgeben können es die Leute wegen dem Lock-Down nicht, also kaufen sie gleich damit Aktien und Bitcoin.
Da das Geld ja ein Geschenk vom Staat ist, kann man es ruhig risikoreich anlegen, schließlich ist es free money.

Viele Politiker von der politischen Linken erkennen natürlich, dass dadurch die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird und fordern, dieses Geld von den Reichen möglichst schnell wieder durch Vermögenssteuern oder höhere Kapitalertragssteuern einzusammeln.

So führt eine staatliche Intervention zur nächsten.

Also, nicht die Fed erzeugt die Vermögenspreisinflation, sondern das hohe Staatsdefizit ist es, was die Vermögenspreisinflation verursacht.
Hinzu kommt noch die momentane YOLO-Einstellung der vielen neuen Privatanleger.

Schönes Wochenende.
Stephan Haller

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Hand aufs Herz: Ist doch scheißegal, ob die FED oder das Staatsdefizit oder der Heilige Geist für die Blase verantwortlich sind. Wer weiß das schon so genau. Einige wissen es zwar, aber andere halt besser. Lernen tut eh keiner was draus.
Fest steht für den kleinen Leroy nur, dass der Staat sich die Kohle (in welcher Form auch angesagt) im Zweifel von denjenigen holt, von denen er sie sich holen kann.

Natürlich ist es scheißegal.
Ich glaube nicht, dass sich durch das Zeug das ich schreibe irgend etwas ändert.
Mir ist mittlerweile alles scheißegal.
Ich habe aber leider die Angewohnheit unnützes Wissen aufzusaugen und es dann wieder auszukotzen.
Scheiß Lehrer eben.

Aber diejenigen, die gerne das System ändern wollen und dies auch sehr laut mit den entsprechenden Memes hier und auf Twitter kundtun, sollten das System gegen das sie kämpfen, verstehen.

Holen wird sich der Staat von den alten weißen Klimasünder-, Heteromännern mit Alfa.
Das ist sicher.

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Ich stelle fest: Es herrscht Konsens.

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Schon lustig wie die Menschen etwas inflationieren obwohl es nicht inflationieren müsste. Bei Bitcoin ist ein Platzen aber bisher nie wirklich schlimm gewesen. Es ist wie ein Schwarzes-Loch und saugt immer wieder Liquidität an, mit jedem Halving werden die Blasen größer. Was müsste denn passieren dass Bitcoin für immer platzt? (angenommen es gibt keine Bugs oder Innovationen) - als Geld wird es sich nie erweisen müssen, als Krisenwährung auch nicht, muss Gold ja auch nicht...

Was müsste denn passieren dass Bitcoin für immer platzt?

Da kann ich auch nur spekulieren.
Ich glaube die Finanzblasen platzen, wenn das Staatsdefizit sinkt und gleichzeitig die Leute ihr Geld wieder ausgeben können.
Außerdem muss es wieder Investitionsmöglichkeiten in der Realwirtschaft geben.
Ich glaube wir stehen kurz davor.
Die Zinsen sind in den letzen Monaten sehr stark gestiegen.
Sogar der Realzins in den USA ist wieder positiv geworden.
Auch die Soft-Commodities sind extrem gestiegen.
Die hohe Inflation zeigt sich bereits am Horizont.
Die Regierungen und Zentralbanken können dem nicht mehr lange tatenlos zuschauen.
Wenn sie die Defizite zu lange zu hoch lassen, dann werden die Anleihenmärkte und die Aktienmärkte gemeinsam crashen.
BTC wird sich dem Ganzen auch nicht entziehen können.
Keine Ahnung wann das passiert.
Wichtig ist immer die Anleihenpreise, Weizen, Sojabohnen, Mais, Holz, USD, VIX-Futures und Öl zu beobachten.
Schau Dir mal die VIX-Kurve an.
Warum steigt die so steil an und bleibt dann für das ganze Jahr so hoch?

Screen Shot 2021-02-21 at 3.37.33 PM.png

Ein dauerhafter VIX von knapp 30 für die zweite Hälfte des Jahres ist extrem hoch.
Vor allem wenn man bedenkt, dass praktisch alles auf All-Time-High ist.

Ich kann nur hoffen, dass die vielen jungen Leute, die jetzt mit BTC und Stonks viel Geld verdient haben rechtzeitig aussteigen, bevor ihnen die großen Hedgefonds das Geld wieder abnehmen.

Wenn die Leute sich mit normalen VIX-Futures eindecken wetten sie auf einen Crash oder? Bzw. auf das Anlaufen der Realwirtschaft. Wieso fehlt Corona in der Gleichung?

Müsste BTC dann nicht auch voll mit Short Positionen stecken

image.png
dabei ist der Markt von idiotisch gehebelten Long-Positionen dominiert, wie passt das ins Bild?

Wenn die Leute sich mit normalen VIX-Futures eindecken wetten sie auf einen Crash oder? Bzw. auf das Anlaufen der Realwirtschaft.

Sagen wir es ist ein Hedge gegen die Long Positionen, die man im Portfolio hat.
Ist aber relativ teuer, weil man durch das Rollen meist sehr viel Geld verliert.
Momentan sind es $3,000 pro Kontrakt von März nach April.
Es gibt aber auch Micros, da sind es nur $300.

Wenn man glaubt, dass die Märkte fallen, sobald die Realwirtschaft wieder anspringt, dann macht es Sinn.
Corona ist bullish.
Mehr Lock-Down = mehr Stimulus = höhere Aktien und BTC Kurse.

Was ist das für ein Chart?
Edit:
Falls die 5.4% der Short Interest von BTC ist, dann liegt das einfach daran, dass es für den Retail Trader viel zu teuer ist BTC zu shorten.
Die einzige Möglichkeit sind Futures. Ein Futures Kontrakt umfasst 5 BTC.
Das ist für 99% der Trader viel zu groß.
Die Hedgefonds mussten mit TSLA schmerzlich erfahren, dass es Selbstmord ist eine Religion zu shorten.
BTC ist auch eine Religion.

Ok danke, so ergibt das Sinn

Das sind ist das Long/Short Verhältnis ist aber Margin Trading hab mich vertan. Dachte das sind die Daten zu den CME Futures

Bei Futures muss das Verhältnis zwischen Long und Short immer 1:1 sein, sonst geht die Rechnung nicht auf.
Ich schätze das ist Cash Long im Verhältnis zu Futures Short.

Habe wieder viel gelernt. Auch schon durch die Diskussionen im Vorfeld und den Kommentaren zu diesem Blog.

Liebe Grüße Michael

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