Händewaschen ist doch nur was für Memmen - Vom Schütteln und Geschüttelt werden

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(Hier sind einige Zeilen, die bereits etwas früher aus meiner Feder geflossen sind, aber in der heutigen Zeit auf einmal wieder brandaktuell sind)

Was bin ich froh, dass hier in den Weiten des fernen Ostens die glorreichste Gepflogenheit unseres allen anderen weit überlegenden europäischen Zivilisationskreises noch lange nicht angekommen zu sein scheint.

Dem anderen die bare Tatze entgegenzustrecken, mag ja in unserer westlichen Hochkultur ein Beweis dafür sein, dass wir dem anderen nicht im nächsten Moment niederstrecken und verjatzen wollen. Aber hier im fernen Osten, wo doch die Wilden und die Barbaren wohnen, die von Gebräuchen und guten Sitten noch nie etwas gehört, geschweige denn gelesen haben, wird diese sich entblößende Geste meist zwar staunend registriert aber um so weniger erwidert.

Darüber bin ich auch gar nicht traurig!

Der Besuch verschiedenster Örtlichkeiten in den unterschiedlichsten Ecken dieses Planeten hat mich erstaunliches gelehrt. Wir Menschen scheinen uns doch mehr zu gleichen, als uns lieb ist.

Überall sichtet man Exemplare unserer hochentwickelten Spezies, die es schaffen nach dem befreienden Wasserlassen (oder auch noch mehr) den schnellsten Weg aus diesen öffentlichen Räumlichkeiten zu finden, ohne sich dabei am Waschbecken zu verirren. Gleichzeitig Anwesende werden dabei gekonnt umkurvt und ignoriert, ganz nach dem Motto: An meine Hände kommt mir nichts, was ich nicht selber produziere.

Wenn ich mir dann dazu noch vorstelle, dass sich diese Helden später natürlich gerne bei jeder Gelegenheit an der Buchse kratzen, kann ich meinerseits liebend gern darauf verzichten, solch stinkende und wahrscheinlich auch siechende Griffel entgegengestreckt zu bekommen, geschweige denn diese auch noch schütteln zu dürfen.

Auch heute wieder hatte ich die Ehre, Zeuge zu werden, wie es ein junger Mensch (zum Mann braucht es wohl noch etwas) geschafft hat, ohne den Wasserhahn und auch mich auch nur eines Blickes zu würdigen, auf dem schnellsten Weg den Ausgang aus dem Raum mit den Fliesen, die die Welt bedeuten, zu finden. Also den Orientierungssinn konnte man diesem angehenden Akademiker nicht absprechen, es scheint also wirklich noch Hoffnung für die nächste Generation bestehen.

Eigentlich bin ich ja sonst nicht so eine Mimose, aber jetzt lobe ich mir doch dieses buckelnde Begrüßungs- und Verabschiedungsritual, welches viele Asiaten in den verschiedensten Varianten, mal mehr und mal weniger gekonnt und vornehm aussehend, vollziehen. Die Körper und Körperflüssigkeiten halten respektvollen Abstand voneinander und man behält seine eigenen Keime ganz für sich selber.

Leider wird dieses heidnische Zeremonie des Kopfnickens wohl eher keinen globalen Siegeszug antreten, zu stark scheint das gegenseitige Verlangen nach Nähe und Zärtlichkeit .

Es muss ja nicht immer gleich ein sozialistischer Bruderkuss zu sein, auch ein kräftiger und deshalb männlicher Händedruck reicht vollkommen, um die eigenen Ausscheidungen mit allen zu teilen. Und scheinbar wollen das sehr viele.



Ein jeder darf seine eigenen Schlüsse ziehen, wie er das hier ge- oder überlesene auf den derzeitigen Kontext und die diesjährige Situation ummünzen möchte.