Dienstag – Auf welche Straße und wer stellt die Wegweiser?

in Deutsch D-A-CH3 months ago

Der kleine, unbedarfte Mann außerhalb der Zivilisation scheint sichtlich überfordert.


Das eine oder andere Zeichen setzen und das leicht Dahingesagte kurz überdenken.

Wer sich bislang die Mühe bereitete, den Blick in den Regalen meines Gemischtwarenladens etwas intensiver schweifen zu lassen, wird festgestellt haben, dass die meisten angebotenen Artikel recht unpolitisch daherkommen. Leichte Kost ist größtenteils vorzufinden. Was jedoch nicht automatisch bedeuten soll, das Kleingedruckte auf der Umhüllung nicht sorgfältig zu durchforsten.

An dieser Bestückung werde ich auch zukünftig festhalten, da ich, weder steuerpflichtig noch in dem Land lebe, dessen politische Nomenklatura in den letzten Monaten mehr und mehr in euren Beiträgen auf den Prüfstand gestellt wird. Ganz im Gegensatz zu Giovanni di Lorenzo (Chefredakteur der ZEIT), der seine doppelte Staatsbürgerschaft sogar ausnutzt, um bei der Wahl zum Europa-Parlament eine italienische und eine deutsche Stimme abzugeben (was übrigens nicht erlaubt ist), halte ich mich an die Devise, keinen Stein an einem Ort loszutreten, an dem ich im Nachhinein mich nicht um das zu kümmern gedenke, was das, durch den rollenden Stein, an aufgewühltem Geröll verursacht hat.

Bei den Kommentaren verhält es sich grundsätzlich anders, da ich mich lediglich auf die Kost beziehe, die mir serviert wird. Dass ich dabei nur ungern in das Horn blase, welches mit seiner Bandbreite von lediglich nur einer halben Oktave zwar leicht mit heißer Luft zu befüllen ist, aber null Raum für nachdenkliche Nuancen bereithält, dürfte niemandem entgangen sein. Ich greife dann doch lieber zur kleinen Schwester, dem Flügelhorn, schwierig zu spielen, aber dafür in der Vielfalt der blechernen Lärmmacher eine wahre Diva. Wie wir es seit jeher von Diven gewohnt sind, bleiben im Umgang mit ihr Misstöne nur selten aus.

Und da Ausnahmen von der Regel (also schwer zu verkaufende Ware) auch im dienstags ganztägig geöffneten Geschäft griffbereit liegen, schnappe ich mir einen der Ladenhüter und werfe einen genaueren Blick unter dessen Verpackung. Jener, von mir gewählte Artikel, wird auf der jährlich erstellten Inventurliste unter der Bezeichnung Protest gelistet. Ein genauerer Blick auf den Beipackzettel verrät mir, es handele sich hierbei um eine Form des Widerstandes gegen gefühltes und gar offensichtliches Unrecht.
Ich gebiete meiner erweckten Neugierde einen Augenblick Einhalt, da sich tief in mir die Erinnerung zu Wort meldet, von diesem Protest bereits in der von euch servierten Speisen gekostet zu haben. Und wahrhaftig. Mein Gefühl trügt mich nicht. Eine der geläufigsten Formen des angerichteten Protests war das in der Art eines Soufflés aufgeblähte Auf-die-Straße-gehen. Zwar oft vorkommend in einem 6-Gänge Menü, doch eher selten im alltäglichen Gebrauch – also zum sättigenden Mittagessen, wie es die Mama zubereitete, um das Kind nach dem anstrengenden Unterricht wieder mit Kräften zu versorgen.

Auf-die-Straße-gehen – exakt das Gericht ist es, von welchem ihr der festen Überzeugung seid, dass es in naher Zukunft das Gericht des Kleinen Mannes sein wird, welches er mit Leidenschaft und Inbrunst in aller Öffentlichkeit verspeist. Warum auch nicht? Der Mensch hat sich an grottenschlechte Hamburger, in der Fritteuse ausgebackene Hühnerschenkel und mannigfaltig belegte Weißbrotscheiben gewöhnt. Warum jetzt nicht an den Protest mitsamt Auf-die-Straße-gehen? Trotz allem Verständnis für die Weiterentwicklung der menschlichen Ernährung, stellt sich mir eine Frage, deren rückhaltlose Beantwortung mich einen erheblichen Schritt weiter voranbringen würde. Da ich kein bekennender Freund vom Stillstand bin, mache ich mich umgehend auf die Suche nach einer schlüssigen Antwort.

Was bringt und wie nahrhaft ist Auf-die-Straße-gehen?
Die Sache beim Wort nehmend, tue ich selbiges. 06:30 Uhr in der Frühe. Ich verankere die Mistgabel im Heu und mach mich auf ins Dorf, das sich mir menschenleer präsentiert. Kein Wunder, da sich um diese Zeit die Bäuerin überaus zärtlich um die Brüste ihrer Milchkuh kümmert, der Bauer derweil neidisch zur Bäuerin blickt und gleichzeitig das alte Stroh auf den Misthaufen schaufelt und der zu allen Unzeiten bellende Haushund seine Morgenportion verschlingt.
Da stehe ich nun an der einzigen Kreuzung weit und breit und schaue reichlich blöd aus der frisch gebügelten Wäsche.
„Guten Morgen Wolfram. Was treibt dich so früh zu uns hoch?“
Es ist Josip, der sich, ohne es offen auszusprechen, garantiert ernsthafte Gedanken, um meinen Geisteszustand zu machen scheint. Wer steht auch um diese Uhrzeit (und dazu auch noch mit beiden Händen in den Hosentaschen) mitten auf der Straße und schaut dem Unkraut beim Wachsen zu?
„Grüße dich, Josip, ich habe da was im Internet gelesen und möchte jetzt ausprobieren, was das bringt.“
„Werden Subventionen bezahlt?“
„Eher nicht. Aber es soll dabei helfen, dass sich der Staat besser um uns kümmert.“
„Also doch Subventionen. Dann leiste ich dir Gesellschaft. Außerdem muss jeden Moment der Bäcker mit dem frischen Brot vorbeikommen.“
So schnell kann es also gehen. Jetzt sind wir schon zwei, die Auf-die-Straße-gehen.
Okay, gehen erscheint etwas übertrieben – aber Asphalt unter den Füßen ist doch auch kein schlechter Beginn.

Eine halbe Stunde später, Josip hat sich zwischenzeitlich ein frisches Brot unter den Arm geklemmt, der Verkäufer im Kleinbus unsere Einladung abgelehnt, uns auf-der-Straße Gesellschaft zu leisten und die Lust auf frisch aufgebrühten Kaffee gibt im Hinterkopf einfach keine Ruhe. Mein Nachbar und ich beenden für heute unsere Aktion zwecks eines besseren Miteinander von Bürger und Staat – doch nicht, ohne Josips Nachfrage, ob ich ihm beim Ausfüllen des Subventionsantrages denn behilflich sein könnte.
„Kein Problem.“
Ein gegenseitiges Schulterklopfen beendet die erste dörfliche Aktion gegen den Raubbau am Menschen – mit Aussicht auf reichlich fließende Kohle aus Brüssel.

Wieder auf heimischem Gefilde, komme ich (obwohl so konsequent durchgezogen) dennoch ins Grübeln, ob Auf-die-Straße-gehen ausreicht, um einen mehrfach Behinderten (blind, gehörlos und flügellahm), als was sich der Staat nun mal bei der morgendlichen Visite präsentiert, wieder an den Verhandlungstisch zu bekommen. Mein Kater Moritz, der von Bewegungen, mit welchem Hintergrund und in welche Richtung auch immer, überhaupt nie was hält, meint kurz uns sachlich: „Nein“. Er vertritt die Ansicht, Interessen ließen sich nur durchsetzen mit dem Einsatz von scharfen Krallen und jeder Menge Ausdauer. Da ist was dran! Ich tue jetzt vorerst das, was mir zwar schwerfällt, aber mich gelegentlich in Sichtweite einer Lösung bringt: nachdenken.

Ich erinnere mich an den Pflasterstrand, ein ehemals einzigartiges und lesenswertes Element der Frankfurter Medienlandschaft, dessen Namen auf diesem Slogan beruht: Unter dem Pflaster liegt der Strand.
Der Aufruf in dem Titel Pflasterstrand verpackt: Ihr müsst erst die Pflastersteine werfen, um im Anschluss den Strand zu genießen. Dem ist eine nachvollziehbare Logik nicht abzusprechen. Doch, dem Handicap geschuldet, mich dem pazifistischen Gedanken verschrieben zu haben, hege ich nach wie vor die Befürchtung, dass fliegende Pflastersteine nicht ausschließlich auf leblosem Material landen werden. Somit braucht es eines Strategiewechsels. Und den, ihr lieben Auf-die-Straßen-Geher, habe ich mir wie folgt vorgestellt:

Handschuhe an, Spitzhacke in die Krallen und raus mit den Pflastersteinen, unter denen sich der Strand befindet. Das ist unser Material, mit dem wir vor die durchfilzten Paläste „unseres“ (es sei mir als „Ausländer“ heute verziehen) Staates ziehen und unaufhaltsam Mauern errichten, die jenen veranschaulichen sollen, welche unüberwindbaren Hürden sie durch ihr Tun und Handeln zwischen sich und dem scheinbar nutzlosen Wahlvolk errichtet haben.
Somit: Auf-die-Straße-gehen ja, aber nicht mit der geballten Faust in der Tasche.

Steine sammeln macht furchtbar hungrig!

Zucchini-Roquefort Plätzchen mit Tomaten und Gurken-Joghurt Salat

Die jungen Zucchini (maximal 25 cm lang) werden der Länge nach in Scheiben geschnitten. Die Samen brauchen nicht herausgekratzt zu werden. Eine Schnitte wird mit Roquefort belegt. Ihr könnt auch andere Käsesorten nutzen. Wichtig ist lediglich darauf zu achten, dass der Käse über ein Eigenaroma verfügt. Also kein frischer Camembert, sondern der, der seinen weichen Bauch bereits über den Teller zieht. Der Käse wird anschließend mit einer weiteren Zucchini-Scheibe belegt. Leicht mit Kräutersalz würzen. Nicht übertreiben, da der Käse selbst genügend Salz an Bord hat. Das so entstandene, belegte vegetarische Schnitzel wird exakt so paniert, wie wir es von der fleischigen Variante gewohnt sind. Einziger Unterschied: Ich mische das Brotmehl 50/50 mit Kokosflocken. Möglich wäre es auch, nur Kokos zu nehmen, doch erhöht sich dadurch die Gefahr, dass die Flocken im heißen Butterschmalz zu dunkel werden.
Die Gurken werden geschält, entkernt und in dünne Scheiben geschnitten. Wer rohe Zwiebeln gut verträgt, sollte ein Exemplar, ebenfalls in dünne Scheiben geschnitten, zugeben. Salzen und anschließend ziehen lassen, damit das überflüssige Wasser aus den Gurken fließen kann. Aus cremigem, dickem Joghurt, fein geriebenem Knoblauch, gemahlenem Pfeffer, Apfelessig, etwas scharfem Senf und frischem Dill eine Salatsoße kredenzen. Mit dem Salzen abwarten, da wir, nachdem das Gurkenwasser abgeflossen ist, zuerst überprüfen, wie viel Salz noch in den Scheiben verblieben ist. Wenn dann notwendig, kann mit Kräutersalz nachgeholfen werden.
Die Tomaten müssen sich mit etwas Olivenöl, Salz und Pfeffer begnügen. Frische Basilikumblätter können – müssen jedoch nicht unbedingt auf den Teller, da heute der Dill die Hauptrolle spielen soll.
Die Zucchini-Roquefort-Plätzchen in Butterschmalz ausbacken (aufgepasst, denn das geht flott) und anschließend noch das überflüssige Fett auf einem Küchentuch abtropfen lassen. Anrichten und dann:

Guten Appetit!

Wenn die Gedanken drohen dich zu erschlagen und das Freisein so weit weg zu sein scheint.

Florence and the Machine – Free

Florence Leontine Mary Welch, die seit Jahren treibende Kraft in der Maschine, greift in diesem Lied ein Thema auf, das wir in unserer Gesellschaft auch mal gerne vor uns herschieben, unter den Teppich zu kehren versuchen und eines Tages vielleicht daran zugrunde gehen.
Das Gefühl zu haben, von den eigenen Gedanken in Gefangenschaft genommen zu sein. @maiglocke hat es vor ein paar Tagen in ihrem wirklich guten Beitrag als Mindfulness bezeichnet. Florence Welch schwankt zwischen der Medikamentierung, einer Selbsteinweisung und der Selbstaufgabe. Bis sie bemerkt, sich nur mit dem Tanz von diesen Dämonen befreien zu können.

Bleibt munter und gesund bis zum nächsten Dienstag, wenn der Gemischtwarenladen wieder seine Pforten öffnet.

Sort:  

Du hast das Zeug zum Kampfpiloten.

Jungs wie Dich, die dazu noch kochen können sucht die Truppe händeringend, auch zum auf die Straße gehen.

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Ohne die adäquaten Sattmacher wird jeder Schritt auf der Straße zur Qual. Vom Steine schleppen möchte ich erst gar nicht reden! Pizza und Beer sind da doch schon mal ein optimaler Anfang! :)

OK !PIZZA
!BEER

Oh mein Gott! Ich komme mir vor, wie ein Bettler. Das sollte unter keinen Umständen als der Wink mit dem Zaunpfahl rüberkommen. 😉
Peinlich, peinlich - danke dir dennoch!


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!Faust !nachdenken

Dann darf ich mich jetzt als hochdekoriert bezeichnen? Oder bin ich ab sofort ein Weihnachtsbaum? :-)
Danke!

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Wie immer äußerst leicht serviert, obwohl für manche schwer verdaulich.😁😉
Bevor heutzutage jemand auf die Straße geht prüft er sicherlich den Empfang seines Lebensinhaltes.

Da Straßen meist etwas länger sind wird sich der Eine oder Andere verlaufen oder nicht mitbekommen, dass er das Ziel bereits hinter sich gelassen hat.
Nirgendwo ist die Entfernung zwischen "Wir müssen auch auf die Straße gehen" und dem einfachen losgehen, größer als in Deutschland.
Es gibt doch genug andere, oder?😁😉😉
Außerdem kennt in der Zivilisation keiner mehr die Bedeutung von Zivilisation!
Egoismus frisst einfach alles auf.
Was man am besten FALSCH machen kann ist, eine Fahne hochzuhalten.😉
Hab noch einen schönen Tag.