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RE: Idar-Oberstein - Edelsteinstadt im grünen Kleid 🔸 Idar-Oberstein – A Gemstone City Draped in Green (de/en) # 57

in Worldmappinlast year

Hat hier jemand am Tintenfass für Lyrik, Romantik und einem Spritzer Melancholie getankt? Dermaßen sanft eingebettet, könnte einem die Stadt direkt ans Herz wachsen. Doch leider gibt es dort auch die Momente, wenn die Haubitzen und Geschützpanzer sich durch die Stadt in Richtung Güterbahnhof wälzen und mit jedem Tritt auf das Gaspedal die Passanten in einer stinkenden Wolke verschwinden. Das sind dann die Augenblicke, wenn man am liebsten den Uniformierten die männlichen Edelsteine schleifen möchte. 😉

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Vielen Dank für deinen wunderbaren Kommentar – ich musste schmunzeln und zustimmend nicken. Deine Worte streifen genau das, was ich beim Schreiben oft suche: einen Zugang über Gefühl und Atmosphäre. Es ist nie eine festgelegte Richtung, eher ein Versuch, mich einem Ort über Stimmungen und Erinnerungen zu nähern - manchmal romantisch, manchmal nachdenklich, manchmal auch einfach nur neugierig.

Wenn ich über Orte schreibe, blende ich politische oder gesellschaftliche Hintergründe nicht bewusst aus - sie sind oft da, als Unterton oder Kontrast. Doch bei diesem Besuch stand das Persönliche im Vordergrund: die Begegnung mit einem Freund, ein Grillabend, ein Spaziergang. Ich habe mich auf das konzentriert, was unmittelbar sichtbar und spürbar war - auf das Glitzern der Edelsteine, die Stille am Fluss, den Duft des Sommers.

Gerade diese Reduktion auf das Unmittelbare schafft Raum für Atmosphäre, Zartheit - und ja, auch für ein wenig Melancholie. Es ist genau dieser Blick auf das scheinbar Kleine, der manchmal die tiefste Verbindung entstehen lässt.

Und was die Haubitzen betrifft: Solche drastischen Bilder rufen mir ins Bewusstsein, wie wertvoll die stillen Momente sind. Die mit Glut, Geschichten - und ganz ohne Schleifstein für empfindliche Körperteile. 😉

Genau so sollte es beim Schreiben vonstattengehen – aufgesogene (eingesammelte) Emotionen frei fließen zu lassen. Vollkommen ohne selbst fabrizierte Staus, die meist im Hinterkopf entstehen und dann den Fluss aus seinem vorgegebenen Bett zwingen. Korrekturen während der Überarbeitung kommen anschließend einem Feinschliff nahe. Nur so gelingt es, aus einem Rohdiamanten an der Nahe einen wunderbaren Brillanten zu formen. Das hast du bestens hinbekommen!

Deine Worte bedeuten mir viel - besonders, weil sie aus so offener Beobachtung und Erfahrung zu kommen scheinen. Herzlichen Dank dafür! Sobald ich meine aktuellen technischen Stolpersteine beseitigt habe, werde ich mir deine Bücher, die ich kürzlich auf Amazon entdeckt habe, auf jeden Fall herunterladen. Auch wenn ich gedruckte Seiten eigentlich bevorzuge - das leise Rascheln beim Umblättern, der Geruch von Papier - lernt man ja doch ständig dazu. Und vielleicht ist gerade das digitale Format manchmal die schnellere Brücke zwischen zwei Gedankenwelten. Ich freue mich auf das, was mich darin erwartet!

Die digitale Bibliothek fand Einzug in mein Zuhause, als ich bemerkte, wie einfach es sein kann, bei Flugreisen sich aus dem realen Geschehen zu verabschieden, ohne einen Festband mit Hang zum Übergewicht mit an Bord schleppen zu müssen. Trotzdem bevorzuge ich das langsame Sterben zwischen den Buchdeckeln. Mein Tipp: Starte (wenn überhaupt) mit der BRenNgLAS Trilogie, da es die Erklärung dafür ist, weshalb ich mich zu so einem Deppen entwickelt habe.😉