E-Mail bezüglich Bitcoin und Blockchain an deutsche Politiker. (Originalpost erschien auf STEEM am 22. Mai 2021)

in #bitcoin10 months ago

Heute las ich einen Bericht des "BTC ECHO" über die Einstellung der Politiker verschiedener Parteien hinsichtlich Bitcoin und Blockchaintechnologie.

Nach meinem (natürlich subjektiven) Empfinden klang das alles derartig negativ, dass ich nicht umhin konnte, an die Interviewten, Matthias Hauer (CDU), Jens Zimmermann (SPD), Frank Schäffler (FDP), Danyal Bayaz (Grüne) und Fabio de Masi (die Linke), eine E-Mail zu senden, um ihren Argumenten zu widersprechen. Ob die sich allerdings tatsächlich die Zeit nehmen werden, eine derartig lange E-Mail zu lesen und zu beantworten, wird die Zukunft zeigen ... Aber wie auch immer: Ich musste es tun! :-)

Hier nun die E-Mail, die m. E. eine gute Grundlage zur Diskussion der Vor- und Nachteile des Bitcoins, Kryptowährungen im Allgemeinen und der Blockchaintechnologie darstellt:

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Sehr geehrte Herren Abgeordnete,

mit Interesse las ich folgenden Artikel von BTC ECHO über die Einstellung Ihrer Parteien zu Bitcoin und Blockchaintechnologie:

https://www.btc-echo.de/news/bitcoin-blockchain-bundestag-die-deutsche-politik-im-interview-119265/

Leider erscheint mir die Perzeption dieser neuen Technologien seitens der Politik deutlich zu negativ und einseitig. Grundsätzlich würde ich eine sich stärker auf die ihr zugrundeliegenden Chancen fokussierende Politik sehr begrüßen.
Stattdessen lauten die ersten beiden Standardfragen in der Regel:

  1. "Welche Risiken birgt das?"
  2. "Wie kann man das besteuern?"

Im Folgenden möchte ich auf Ihre Argumente gegen den Bitcoin eingehen und sodann einige seiner vorteilhaften Alleinstellungsmerkmale hervorheben.

Ich stimme zu, dass der Bitcoin in erster Linie nicht als alltagstaugliches Zahlungsmittel konzipiert ist (wobei sich mittels Krypto-Debitkarten und aufgrund der Teilbarkeit des Bitcoins auf bis zu acht Stellen hinter dem Komma problemlos überall damit bezahlen lässt, so man denn will).
Die technisch notwendigen Voraussetzungen dafür, schnell, fast gebührenfrei transferierbar, dabei äußerst energieeffizient und somit umweltschonend zu sein sowie ein hohes Transaktionsvolumen pro Zeit bewältigen zu können, erfüllt dagegen beispielsweise der auf der Cardano-Blockchain basierende ADA.

Nun zu Ihren Argumenten, der Bitcoin sei als Wertspeicher ungeeignet:

  • Was die hohe Volatilität betrifft, unterliegt der Bitcoin Halving-Zyklen, was bedeutet, dass die Menge neu 'gemineter' Bitcoins sich alle vier Jahre halbiert. Nach jeder dieser Verknappungen steigt der Preis, wobei sich gegen Ende jedes Zyklus zu den Investoren Spekulanten hinzugesellen, bis eine Blase entsteht, die dann irgendwann platzt, wobei jedoch - und das ist das Entscheidende - jedes Tief stets höher liegt als jedes vorherige Tief, weshalb der Bitcoinpreis auf lange Sicht gesehen bisher stets gestiegen ist und das aller Voraussicht nach auch weiterhin tun wird. Es ist also genau umgekehrt wie immer behauptet wird: Nicht Spekulanten profitieren vom Bitcoin, sondern geduldige Investoren.
    Bitte bedenken Sie, dass ein Bitcoin 2010 noch weniger als 10 Cent kostete, es also, allen Warnungen zum Trotz, langfristig gesehen keine bessere Geldanlage als den Bitcoin gab!
    Die Volatilität hat überdies mit der noch relativ geringen Marktkapitalisierung der Kryptowährungen zu tun, aufgrund derer einzelne Käufe und Verkäufe großer Marktteilnehmer einen viel größeren Einfluss als in größeren Märkten haben (so ähnlich, wie es auch einen größeren Effekt hat, in einen Gartenswimmingpool zu springen als in den Pazifik).

  • Dass der Bitcoin allein deshalb als Wertspeicher ungeeignet sei, da er keinen materiellen Wert besitze, beantworte ich zunächst einmal mit der Gegenfrage, ob beispielsweise Microsoft Windows oder die Google-Search-Engine ebenfalls als 'nicht materielle Dinge' über keinen intrinsischen Wert verfügen?
    Überdies sehe ich im heutigen digitalen Zeitalter die Grenze zwischen 'materiellen' und 'immateriellen' Dingen ohnehin immer mehr verschwimmen (wobei jeder Physiker weiß, dass 'Materie' ohnehin nichts anderes als 'verdichtete Energie' ist). :-)

  • Das Argument, Investoren zögen sich zurück, sobald das Vertrauen in ein Asset sinke, ist völlig korrekt, gilt allerdings für jedes andere Asset (und jede Währung(!), wie man z. B. am türkischen Lira oder dem Bolivar sieht) in gleichem Maße.
    Bisher ist der Bitcoin jedoch genau dasjenige Asset, das über einen Zeitrum von jetzt mehr als zehn Jahren hinweg den höchsten Wertgewinn verbuchen konnte.

  • Dass Kryptowährungen vor allem kriminellen Zwecken dienten, wird zwar immer wieder behauptet, jedoch niemals belegt.
    Wie der aktuelle Crypto-Crime-Bericht des Unternehmens Chainalysis belegt, standen nur 0,34 % aller Krypto-Überweisungen mit kriminellen Handlungen im Zusammenhang (im Gegensatz zu 2,1 % beim US-Dollar):
    https://go.chainalysis.com/2021-Crypto-Crime-Report.html

    Ganz ähnlich sieht das der frühere CIA-Vizechef Michael Morell:
    https://bitcoinblog.de/2021/04/15/wenn-man-ein-finanzielles-okosystem-sucht-das-schlecht-fur-kriminelle-ist-dann-ware-das-bitcoin/

    Dass Sie eine mögliche Dunkelziffer krimineller Transaktionen ins Feld führen, ist korrekt, gilt aber für jede andere Währung (insbesondere auch das von den Deutschen geliebte Bargeld) ebenso!
    Das "Transparenz-Finanzinformationsgesetz Geldwäsche", welches Krypto-Transaktionen ab 1000 Euro für meldepflichtig erklärt, stellt leider ein weiteres Beispiel dafür dar, dass 'transparenter' stets nur der Bürger wird (nicht jedoch staatliche Institutionen) und die Politik im Zweifelsfalle vermeintliche Sicherheit so gut wie immer gegenüber der informationellen Selbstbestimmung des Individuums priorisiert.

  • Das einzige in meinen Augen stichhaltige Argument gegen den Bitcoin ist dessen hoher Stromverbrauch. Hier sollten innerhalb der Bitcoin-Gemeinde verstärkt Anstrengungen unternommen werden, möglichst ausschließlich mittels 'grüner Energie' zu 'minen'. Dazu gibt es interessante Überlegungen, welche die Idee ins Spiel bringen, dass PV-Anlagen sogar weitaus rentabler zu betreiben wären, würden sie in Phasen überschüssiger Stromerzeugung einen Bitcoin-Miner speisen:
    https://bitcoinblog.de/2021/04/22/bitcoin-mining-als-voraussetzung-fur-eine-vollstandige-energiewende/

    Obwohl ich also den hohen Stromverbrauch des Bitcoins als problematisch anerkenne, fehlt es mir in Politik und Medien andererseits an der nötigen Ausgewogenheit, ihm den Energieverbrauch des Bankensystems oder die ökologischen Konsequenzen der Förderung von Gold oder Erdöl gegenüberzustellen. So kommt beispielsweise ein Bericht von "Galaxy Digital" zu dem Ergebnis, Bitcoin sei energieeffizienter als Gold und verbrauche weniger Strom als das Bankenwesen (mit seinen Geldautomaten, Rechenzentren und Filialen - wobei der Energieverbrauch der täglich zur Arbeit fahrenden Bankmitarbeiter noch gar nicht eingepreist ist):
    https://coin-hero.de/news/galaxy-digital-bericht-bitcoin-energieeffizienter-als-gold/

Da etwas nicht allein dadurch 'gut' wird, keine Nachteile zu haben, nun noch ein paar positive Alleinstellungsmerkmale des Bitcoins/von Kryptowährungen:

Der Bitcoin ist ein extrem knappes, in seiner Menge beschränktes Gut, dass sich, anders als Bankengeld und Gold, schnell und ohne Konvertierungs- oder Mittlergebühren, pseudonym (nicht anonym!), aber doch transparent und absolut manipulationssicher in jede Ecke der Welt versenden lässt, wobei auch die weltweit immer noch sehr zahlreichen "Unbanked People", mittels ihrer Smartphone-Wallets die Möglichkeit erhalten, am Wirtschaftsleben und dem Zahlungsverkehr teilzuhaben.
10 Bitcoins sind in wenigen Minuten um die ganze Welt geschickt - und nun versuche man dasselbe mit dem entsprechenden Bargeldwert ... Überdies ist ein Bitcoin teilbar, so dass man mit einer Bitcoin-Debitkarte sogar Brötchen kaufen könnte. Als Wertspeicher ist der Bitcoin weitaus flexibler verwendbar als Gold.

Von den Vorteilen, die eine Smart-Contract-Blockchain wie Cardano aufweist, will ich gar nicht erst anfangen ... oder doch, ganz kurz noch:
https://www.crypto-news-flash.com/de/cardano-iog-kuendigt-den-weltgroessten-einsatz-der-blockchain-in-afrika-an/

Mit freundlichen Grüßen

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Ich finde die E-Mail sehr gut und auch nicht zu lang. Die große Frage wird sein - "Wird sie gelesen oder sogar hinterfragt"

Von Nichts kommt Nichts und deshalb finde ich Deine Aktion sehr gut. Bin gespannt ob irgendein Staatssekretär oder wer auch immer antwortet!

LG Michael

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Da hatte niemand geantwortet!

Diese E-Mail ist ja schon etwas älter und wurde erstmals in einem STEEM-Post von mir veröffentlicht (siehe Titel).
(Ich wollte alle meine Texte, die bisher nur auf dem STEEM erschienen waren - genau diese vier letzten Posts hier - , nun auch auf HIVE posten. Da sie also nicht wirklich neu sind, deaktivierte ich auch die Möglichkeit, eine Vergütung mittels Upvotes zu erhalten.)

Also auch ein Stück weit für Dich das es in der Blockchain verewigt wird wofür Du Dich entschieden hast!

LG Michael

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Ja, richtig, ich will meine Gedanken, Ideen sowie einige Erlebnisse auf einer Blockchain festhalten.

Ja das kann ich gut verstehen und ich handeln auch oft ähnlich und nutze es dann auch ein Stück weit wie ein Reminder von wichtigen Sachen.

LG Michael

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@mima2606 denkt du hast ein Vote durch @investinthefutur verdient!
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Da hatte niemand geantwortet!

Ich hatte damals übrigens noch ein letztes Mal nachgehakt, es aber dann auf sich beruhen lassen, denn man kann ja niemanden zu einer Antwort zwingen, der nicht antworten will:

Sehr geehrte Herren Abgeordnete,

leider ist bisher niemand von Ihnen auf meine Argumente eingegangen.
Das ist insbesondere auch deshalb schade, weil meine mehr als 7000
Follower im blockchainbasierten STEEM-Netzwerk sicherlich sehr an Ihrer
Stellungnahme interessiert gewesen wären:
https://steemit.com/hive-146118/@jaki01/e-mail-bezueglich-bitcoin-und-blockchain-an-deutsche-politiker

Ich selbst werde jedenfalls niemanden wählen, der mir nicht antwortet.

Mit freundlichen Grüßen

Die einzige Reaktion, die ich direkt danach erhielt, war:

"Danke für die Nachricht. Dieser E-Mail Account ist dauerhaft geschlossen. Ihre Mail wird weder gelesen noch bearbeitet. Für Kontakt zu Herrn Bayaz wenden Sie sich bitte an das Ministerium der Finanzen Baden-Württemberg."

Ich kann mir nicht helfen, aber das ist einfach ein ganz schwaches Bild, das die 'Volksvertreter' da abliefern!

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