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RE: @jaki01 und "DeepSeek" diskutieren über (künstliche) Intelligenz, Emotionen und Bewusstsein. / @jaki01 and "DeepSeek" discuss (artificial) intelligence, emotions, and consciousness.

in #deutschlast month

Ich hatte dir versprochen 😉, dass ich den einen oder anderen Artikel, den du geschrieben hast sicherlich noch lesen werde. Heute bin ich auf diesen Artikel gestoßen.

Als ich mich Ende der 1980er Jahre erstmals mit KI beschäftigte (symbolische Systeme, kognitive Architekturen, Kybernetik), begann man Systeme mit Sensoren, Körpern und Verhalten zu bauen. Dabei wurde schnell klar: Ein System braucht Prioritäten.

Ein einfaches Beispiel: Energie wird knapp, ein Hindernis taucht auf, das Ziel ist noch weit entfernt – was ist wichtiger?

Im menschlichen Gehirn übernehmen emotionale Bewertungsmechanismen diese Priorisierung. Über Sensoren können Maschinen heute zwar sehr viel wahrnehmen. Für Bewusstsein bräuchte ein System vermutlich mehr: ein dauerhaftes Selbstmodell („Ich als System“), kontinuierliche Erfahrung über Zeit, ein Bewertungssystem (ähnlich Emotionen) und die Fähigkeit, in einer Umwelt zu handeln. Viele heutige KI-Systeme besitzen davon nur einzelne Bausteine.

Aus der Automatisierung kennen wir das Denken in Regelkreisen: Sensoren erfassen einen Zustand, ein Regler bewertet die Abweichung, das System reagiert, und die Umwelt gibt Rückmeldung. Im Kern ist das kybernetisches Denken. Moderne KI-Systeme lassen sich ähnlich betrachten – nur wesentlich komplexer. Manche Forscher sehen Emotionen sogar funktional als eine Art Steuerparameter, die Verhalten priorisieren.

Viele Fragen von damals tauchen heute wieder auf. In den 80er und 90er Jahren fehlten schlicht Hardware, Daten und Rechenleistung. Das eigentliche Problem ist jedoch bis heute ein anderes: Wir wissen nicht genau, was Bewusstsein eigentlich ist.

Ist es nur ein komplexer Informationsprozess? Braucht es eine biologische Grundlage – Gehirn, Körper, Hormone? Oder entsteht es erst durch ein Selbstmodell und Erfahrung über Zeit?

Solange wir nicht verstehen, warum ein Gehirn Bewusstsein entwickelt, können wir Maschinen nicht gezielt darauf auslegen. Trotzdem halte ich es für gut möglich, dass solche Systeme eines Tages entstehen.

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Manche Forscher sehen Emotionen sogar funktional als eine Art Steuerparameter, die Verhalten priorisieren.

Ja, Emotionen sind im Prinzip Bewertungsparameter, die mit verstärkenden oder abschwächenden Effekten bei Entscheidungsprozessen mitwirken.

Solange wir nicht verstehen, warum ein Gehirn Bewusstsein entwickelt, können wir Maschinen nicht gezielt darauf auslegen.

Möglicherweise entsteht durch cleveres Verschalten einer kritischen Masse an Neuronen bzw. Prozessoren irgendwann ein Bewusstsein (ohne dass wir genau wissen, warum das so ist)? Vielleicht steckt aber auch deutlich mehr dahinter ... hier gibt es noch viel zu erforschen und lernen.