EBEIL – Weder Palindrom noch Ambigramm

in Deutsch D-A-CH5 months ago

Auch kein Anagramm – aber stets begehrt.

Ob in Form des Verbs, Substantivs oder als vereinnahmtes Adjektiv – Der Börsenwert der Liebe zeigt steil nach oben.

Was muss einem Menschen in der Vergangenheit widerfahren sein, damit er zu einem späteren Zeitpunkt die Notwendigkeit sieht, den Inhalt seines Herzens von innen nach außen zu kehren?

Ich glaube zwar eine Antwort hierauf ausfindig gemacht zu haben, allerdings ohne die notwendige, also endgültige, Gewissheit an meiner Seite zu spüren. Daher entschloss ich mich, bevor ich meine Erklärung der Öffentlichkeit präsentiere, ein paar wenige Situationen zu einer Art Multiple-Choice-Aufgabe aufzulisten, die eventuell für ein aufkeimendes Gefühl der Liebe taugen könnten.

  1. Du stehst an einer Fußgängerampel und wartest geduldig auf die Grünphase, die sich allerdings (wie eigentlich immer) gerade am Strand von Rio de Janeiro eine Auszeit zu gönnen scheint.
  2. Kurz vor 07:00 Uhr, das Abteil im Nahverkehrszug ist mehr als gut besetzt und du mittendrin. Wie jeden Morgen, im Clinch mit der Unentschlossenheit, die Gelegenheit zu einem kurzen Nickerchen zu nutzen, lieber doch einen Blick in die Zeitung zu riskieren oder einfach nur gelangweilt aus der Wäsche zu schauen?
  3. Innerlich bereits auf erhöhter Arbeitstemperatur, da du dich wieder einmal für die falsche Reihe an der Kasse bei Kaufland entschieden hast. Die ältere Dame hinter dir rammt erneut ihren Einkaufswagen in deine Achillessehnen und trägt dabei einen Gesichtsausdruck zur Schau, als könne sie kein Wässerchen trüben.

Welche dieser drei von mir geschilderten Situationen birgt das größte Potenzial in sich, es spontan mit dem ausgiebigen Verlieben zu versuchen?

Ps: Gerade ist mir aufgefallen, dass ich es vergaß, einen nicht unwesentlichen Aspekt bei den Auswahlmöglichkeiten beizufügen. Überall nämlich, ob an der Ampel, dem Zug oder bei Kaufland, wo die Kassiererin jetzt auch noch die Rolle in der Kasse wechseln muss, taucht plötzlich eine Person in deinem Blickfeld auf, deren äußerliche Erscheinung Eruptionen der positiven Art in deinem Körper hervorruft.
Mit dieser zusätzlichen Information dürfte die Entscheidung nun leichter fallen.

Doch fehlt noch der Plausch aus dem Nähkästchen, wie es sich in meinem Fall zutrug, mir die Fähigkeit aneignen zu können, vor lauter Verliebtheit das Herz von innen nach außen zu kehren.
Das Ganze liegt bereits zig Jahre zurück und konnte so auch nur über die Bühne gehen, weil es in meinem Leben auch vereinzelt Phasen gab, in denen ich als Angestellter nicht nur einem Chef aufopferungsvoll dienen, sondern zudem bei meiner Hausbank ein Gehaltskonto eröffnen durfte. Was den passionierten Geldscheinbügler im Dienst der Sparkasse wohl mindestens so sehr erfreute, wie mich selbst beruhigte.

Das Bühnenbild zu diesem Jahrhundertereignis darf sich wie folgt vorgestellt werden:
Ein Redaktionsraum, wie es ihn tausendfach auf diesem Planeten gibt. Ein paar Schreibtische, viel Papier, noch mehr Unordnung im geordneten Chaos und die im Haus verbliebenen Nachrichtenverarbeiter, die sich bislang nicht oder gar überhaupt nie mit Menschen treffen, die sich nichts mehr erhoffen, als in absehbarer Zukunft eine wohlgesonnene Erwähnung in den bedruckten Spalten. Am besten auf Seite 1 oder 2.

Ich hatte mir diesen Morgen für den Versuch des konstruktiven Satzbaus reserviert, lungerte daher an meinem Schreibtisch und reicherte ganz nebenbei die Luft mit dem Rauch einer Selbstgedrehten an. Ja, auch das war in jener Zeit noch so etwas wie Normalität. Das Päckchen Samson mit den Blättchen landete grundsätzlich als Erstes auf dem Arbeitsplatz. Dann folgte der Kaffee – und erst dann der hoffentlich motivierte Arbeitnehmer.

Dass gelegentlich der Chef durch die Räume schlenderte, war als Normalität abzuhaken, da er zu der Sorte Mensch gehörte, die der Meinung Glauben schenken, allein ihre körperliche Präsenz sorge für mehr Arbeitsdisziplin bei einer Truppe von Individualisten.
An diesem Morgen allerdings zelebrierte er dies mit einem mir unbekannten weiblichen Wesen im Schlepptau – das war dann doch Grund genug für mich, zumindest mal kurz den Kopf anzuheben.

Meinen Augen konnte ich getrost den Blick in die Tiefe des Raumes ersparen, da das Duo sich unmittelbar neben meinem Arbeitsplatz positioniert hatte.
»Darf ich dir die neue Kollegin vorstellen?«
Diesem wortreichen Zeremoniell folgte ein Handshake und der Austausch von Vornamen. Soweit das offizielle Protokoll. Allerdings kam in meinem Kopf weder der Vorname noch das begleitende Gesabbel meines Chefs an.

Der Blick in dieses Gesicht, tief rein in diese grünen Augen, ließen sämtliche stabilisierenden Bänder rund um meine Knie ein Bad im Wackelpeter (Götterspeise) nehmen. Ich fand mich meilenweit neben mir selbst wieder und suchte krampfhaft nach Orientierung.
Jetzt bloß nicht zu sabbern beginnen oder (beinahe noch schlimmer) der Selbstüberschätzung eine Chance gewähren und den Versuch starten, besonders eloquent in Erscheinung zu treten.

Zumal mich gleichzeitig mein Bauchgefühl intensiv darauf vorbereitete, dass ich, mit höchst anzunehmender Wahrscheinlichkeit, für die kommenden Wochen vom komplizierten Satzbau in das Resort „Intensiver Tiefbau“ wechseln werde. Genauer gesagt, als übermotivierter Baggerfahrer mein Unwesen treibe.

Und dieses innere Gefühl sollte Recht behalten. In den folgenden Wochen baggerte ich dermaßen um die Gunst (Aufmerksamkeit) dieses wunderbaren weiblichen Wesens, dass die Löcher als Grundlage für einen komplett neuen Stadtteil hätte genutzt werden können.
Was soll ich sagen?
Es hat sich auf ganzer Ebene gelohnt.
Kurz bevor ich mir selbst den stabilen Stand unter den eigenen Füßen wegbaggern konnte, katapultierte mich unser erster sanfter Kuss aus dem Tiefbau wieder zurück in den Satzbau. Und der scheint mir nicht ganz unwichtig, wenn es darum geht, das Herz von innen nach außen zu kehren.

Nur für dich

Das Zimmer
Wie immer
Die Stühle am Platz
Aufgeräumt
Und blank geputzt
Kein Staubkorn
Das sich getrauen würde
In der Tiefe des Raumes
Kurzfristig einen Rastplatz zu suchen.

Richtig beschrieben?
Oder doch genau das Gegenteil?
Es spielt wohl keine Rolle
Vielleicht hat das gemeine Staubkorn
Auch nur die Nase voll
Vom sterilen Wahnsinn
Und hat sich längst
Ganz woanders einquartiert?

Ich sitze jedenfalls nur hier
Und fühle Wörter wachsen
Wörter erblühen

Nur für dich

Ohne den handelsüblichen Dünger
Chemisch aufbereitete Beschleuniger
In kleinen, blauen Perlen
Aus Gedanken wachsende Wörter
Gedeihen auf äußerst kargem Boden
Entwickeln sich trotz allem prächtig
Ich kann nicht länger warten
Ich gehe hin
Und pflücke sie

Nur für dich

Ich sitze hier
Und sehe die Wörter wachsen
Buchstabe für Buchstabe
Mal verschnörkelt
Mal geschwungen
Auch die Zackigen melden sich
Ich ärgere mich darüber
Doch, kaum geärgert
Verfliegt der Zorn auch wieder

Die etwas runden,
Mit den klaren Formen
Die mag ich besonders gern
Doch den Buchstaben scheint egal
Aus welcher Laune heraus
Sie entstanden nun
Sie tummeln sich ganz bunt gemischt
In großen und in kleinen Horden.

Es gibt auch welche
Die bevorzugen den engen Kreis
Manche stehen trotzig konsequent
Nur auf den Dialog
Aber einen Buchstaben
Ganz einsam und allein
Egal, welchen Schwung
Er mit sich trägt
Den werde ich hier vergebens suchen
Berücksichtigt werden jene
Die das Zeug in sich tragen
Sich zu einem schönen Wort zu formen
Und dies -

Nur für dich

Das Zimmer
Noch immer
Wie immer
Die Stühle
Selbstverständlich
Am angestammten Platz
Der Staub probt einen letzten Aufstand
Wie mir scheint
Die Armee der federleichten Körner
Mit dem letzten Aufruf zur Revolution

Weg mit statisch aufgeladenen Tüchern
Dem Kleber für den Staubkornmord
Ich schlage mich auf die Seite der Bedrohten
Und summe ein Loblied auf den Staub
Der Staub, der behutsam und sanft
Erinnerungen bedeckt und konserviert
Die ich mit einem leichten Hauch
Wieder zum Leben erwecke
Wie das Lachen
Welches wir seit Jahren teilen
Eine einfache Geste.
Mit großer Bedeutung

Worte in die Staubschicht schreiben
Mal überschwänglich groß
Mal fast versteckt in eine Ecke
Kaum noch lesbar oder winzig klein
Doch all die Wörter
Die ich wachsen sehe
Und voller Stolz geerntet habe
Ich will sie nicht hüten
Wie einen nutzlosen Schatz
Nein
Ich schreibe sie in diesen Staub

Nur für dich

Sollten sie dann plötzlich morgen
Die Lust am Spiel verloren haben
Ich puste einfach darüber
Lasse rasch frische Wörter
Gegen das Vergessen wachsen
Beim Wachsen schaue ich ihnen
Dann geduldig zu
Warte sehnsüchtig auf die Ernte
Um sie dann zu pflücken

Nur für dich

Sort:  

Jetzt verstehe ich warum kleine Jungen bereits auf Bagger stehen - frei nach dem Motto: Früh übt sich wer ein Meister werden will.

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Da ist was Wahres dran. Doch ereilt uns immer wieder das gleiche Schicksal. Kaum beherrschen wir die Plastik-Version, fühlen wir uns imstande, die höchst ertragreiche Goldader nahe dem alten Fischweiher frei zu baggern. Gleiches gilt für die erste wahre Tuchfühlung mit einem weiblichen Wesen, welches weder mit der Mama noch der Oma zu verwechseln ist. Tage zuvor hat es in der großen Pause auf dem Schulhof in der trockenen Theorie noch wunderbar hingehauen, doch kaum überholt einen die Realität .... 🙄🤔

Manch einer muss sich dafür Mut mit !BEER Mut antrinken... ;-)


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