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RE: Zwischen Orwell und Huxley – Die sanfte Dystopie der Gegenwart

in Deutsch D-A-CH2 months ago

Danke, Dirk, für deine aufmerksame Rückmeldung.
Du sprichst von Ambivalenz, von der schöpferischen Vielfalt der Gegenwart, von der Fähigkeit des Menschen, sich stets neu zu reflektieren.
Das alles ist richtig – aber es greift zu kurz.
Denn auch Reflexion kann sich anpassen, auch Vielfalt kann sich einrahmen lassen, und auch Freiheit kann sich selbst als System verwalten. Ich sehe die Gegenwart nicht als Käfig, sondern als Architektur aus Möglichkeiten, deren Wände so durchsichtig geworden sind, dass niemand sie mehr bemerkt.

Wir sind nicht gefangen – wir sind eingerichtet. Das ist der neue Zustand: nicht Unterdrückung, sondern Funktionalität; nicht Zwang, sondern Selbstverständlichkeit. Du sagst, der Mensch reagiere kreativ, bräche Filterblasen, eigne sich Systeme an. Ja – aber er handelt immer seltener. Er unterscheidet, vergleicht, kommentiert – und hält das für Freiheit. Doch Reaktion ist nicht Handlung. Wo das Handeln fehlt, verliert die Welt ihren Ort, und Verantwortung löst sich in Korrelation auf.

Alles geschieht, aber nichts geschieht durch uns. Ich bestreite nicht, dass Komfort eine Errungenschaft ist.
Ich frage nur, was er mit dem Denken macht. Bequemlichkeit ist kein Feind – sie wird erst gefährlich, wenn sie den Menschen in eine ruhige, kluge Form der Bedeutungslosigkeit bettet. Dann ersetzt das Wohlbefinden das Bewusstsein.

Man nennt das Reife, Fortschritt oder Ambivalenz – und übersieht, dass es in Wahrheit die sanfte Erosion des Handelns ist. Ich spreche nicht von einer zentralen Macht. Ich spreche von einer Ordnung, in der alles von selbst funktioniert, weil niemand mehr etwas beginnt.

Das ist die vollendete Form des Gehorsams: die, in der man ihn gar nicht mehr erkennt. Darum ist meine Diagnose keine Kulturkritik, sondern ein Versuch, den Raum des Handelns wieder sichtbar zu machen. Nicht, um ihn zu verteidigen, sondern um ihn neu zu denken. Denn Freiheit entsteht nicht in der Wahl zwischen Optionen, sondern im Mut, etwas zu beginnen, das noch keinen Platz hat.

Vielleicht liegt darin der Unterschied zwischen uns:
Du vertraust auf die Selbstheilung der Systeme – ich auf die schöpferische Unruhe des Geistes. Beides kann koexistieren. Aber nur eines davon kann die Welt verändern.

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Es tut mir leid (nicht); ich habe weder deine Essay noch meinen Kommentar noch deine Antwort darauf gelesen. Das ist Sache von KIs, die ja getextet haben. Mit meiner Antwort will ich nur eins sagen. Diese Art von Texten zeigt maximal den Durchschnitt von dem, was wir wissen und denken können. Und ich sehe mich als mehr als den Durchschnitt. Und deshalb lohnt es sich für mich nicht, das zu lesen. Deshalb lohnt es sich eigentlich für niemanden, dies zu lesen. Weder deinen Text noch meine Antwort noch deinen Kommentar darauf.