E-Scooter - leihen? kaufen? fahren!

in #deutsch2 years ago

Nachdem ich nun schon zwei mal per E-Scooter die Städte erkundet habe und dies als wirklich coole Methode entdeckt habe viel zu sehen und schnell durch eine Stadt zu kommen habe ich mich mehr mit dem Thema beschäftigt. Eventuell liebäugele ich schon mit einem eigenen Scooter denn einerseits kostet leihen immer Geld und andererseits sind die Leihscooter nicht in anderen Städten vorhanden. Weiterhin ist man unter Umständen etwas eingeschränkt da man immer nur im Geschäftsbereich des Verleihers fahren darf. Bislang war das noch kein Problem, aber möglicherweise ändern sich Geschäftsbereiche auch mal. Ein weiterer Punkt ist das manche Leihgeräte schon ziemlich mitgenommen sind, denn es fahren nicht nur vernünftige Menschen damit. Dagegen spricht bislang eigentlich nur der relativ hohe Preis wenn man etwas vernünftiges kaufen möchte. Doch wir nehmen das ganze mal auseinander:

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Gesetzliche Lage

In Deutschland sah man sich im Juni 2019 gezwungen das Thema E-Scooter (bzw. Elektrofahrzeuge) zu reglementieren. Wir wären nicht in Deutschland wenn man nicht für alles eine Verordnung bräuchte. Ich persönlich finde diese Regelung zwar Argumentativ lückenhaft, aber darum geht es nicht - so gilt ab dem 06.06.2019 die Verordnung über die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr, kurz die eKFV.
Neben dingen wie eine maximale Motorleistung von 500W, zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen, Beleuchtung vorn und hinten sowie eine Versicherungs- und Kennzeichenpflicht regelt die eKFV auch das Mindestalter mit dem man mit einem Elektrokleinstfahrzeug am Straßenverkehr teilnehmen darf. Spielt man mit dem Gedanken sich einen Scooter zuzulegen, so wird man in der Regel auf Scooter stoßen die eine ABE haben und somit eine Straßenverkehrszulassung. Ist dies nicht extra ausgewiesen solltet Ihr das beim Händler erfragen.

Die eKFV umfasst somit

  • E-Scooter mit einer maximalen Geschwindigkeit von 20 km/h,
  • E-Bikes mit einer maximalen Geschwindigkeit von 20 km/h
  • E-Bikes mit einer Geschwindigkeit von 25 km/h.

Pedelecs (die Dinger die fälschlicherweise im Volksmund "E-Bike" heißen) mit einer elektrischen Trittabhängigen Unterstützung die bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h unterstützen fallen witzigerweise nicht unter die eKFV.

Meine Meinung: Im Straßenverkehr ist es eigentlich egal ob ich mit 20 km/h oder 25 km/h teilnehme. Ebenso ob ich mit trete oder Gas gebe macht für mich gar keinen Unterschied. Man kann quasi mit 10 Jahren ein Pedelec fahren und mit 25-30 km/h durch die Stadt sausen, aber sobald es ein E-Bike oder E-Scooter ist muss man das 14. Lebensjahr vollendet haben. Noch witziger wird es wenn das E-Bike nicht durch einen Elektromotor angetrieben wird, sondern ein Verbrennungsmotor besitzt - dann muss ich bis 15 warten und einen Führerschein machen. Wahnwitziges Deutschland!


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E-Scooter im Verleih

Trotz das das fahren von E-Scootern ab 14 erlaubt ist schreiben die meisten Anbieter wie Tier, Bird und Voi. in Ihre Geschäftsbedingungen das man das 18. Lebensjahr vollendet haben muss um mit ihren Scootern fahren zu dürfen. Lediglich bei Lime stand das man 14 Jahre alt sein muss um die Lime.-Scooter zu nutzen.

Bei den Verleihscootern handelt es sich in der Regel um modifizierte Scooter, die auf Basis von im Handel erhältlichen Scootern umgebaut sind. Gefällt euch also ein Scooter aus dem Verleih sehr gut wird es schwierig einen solchen auch zu bekommen. Tier bietet aufbereitete Scooter an, die aus der aktiven Flotte herausgenommen wurden. Allerdings sind diese Scooter ebenfalls nur mit der Tier-App nutzbar - ob das auf ewig so funktioniert - z.B. im Falle einer Geschäftsaufgabe - ist fraglich. Ansonsten sind die Verleihscooter sehr robust und haben meist einen recht großen Akku.

Ein eigener Scooter soll's sein

Denkt Ihr, so wie ich gerade, über einen eigenen Scooter nach wird man zunächst vom unübersichtlichen Angebot erschlagen. Scooter gibt es in allen möglichen Preisklassen, von 199€ im Discounter über 300-500 € im unteren Preissegment bis hin zu 2000€ für Premium Scooter. Dabei scheint es schier endlos lange Herstellerlisten zu geben, zumeist Asiatische Firmen und einige wenige Deutsche Hersteller. Bei meiner Suche bin ich zu vier Kategorien gekommen:

  • sehr günstige Angebote bei Lidl, Aldi & Co um die 200-300 €
  • Scooter für die "letzte Meile" von Bus/Bahn zum Büro 300-500 €
  • Solide Scooter mit mehr Reichweite 500-800€
  • Touring Scooter ab 800 €
  • Premium wie BMW X2City oder Metz Moover 800-2000€

Bei den Angeboten von Lidl oder Aldi muss man im Detail schauen. Der letzte Lidl Scooter war mit seinem 350 W Motor und einem 7,2 Ah Akku von den Werten her durchaus geeignet für die letzte Meile. Mit 15kg Gewicht allerdings schon etwas schwerer als manch anderer Scooter. Für 299€ durchaus interessant.

Damit sind wir schon in dieser Klasse: Die Scooter die dem Zweck dienen die letzten paar Kilometer von Bus und Bahn zum Büro zu kommen weisen allesamt Akkukapazitäten von 7-8 Ah auf was dann für um die 20-25km ausreichen sollte. Meistens sind die Angaben der Reichweite mit 75Kg Körpergewicht auf ebener Strecke und bei 25° gemessen. Oftmals haben diese Scooter auch kleinere Räder die 6-8" groß sind. Diese Scooter sind meist bis 15Kg schwer

Die soliden Scooter sind meistens etwas schwerer und sollten 10" Räder haben. Die Akkukapazität liegt zwischen 8 und 12 Ah und sollte für 20-40 Km ausreichen. Sie sind meistens etwas robuster und können auch mal durch unwegsameres Gelände. Oft finden sich hier auch schon Federungen vorn oder hinten. Hier kann man schon mal eine Tour machen die auch etwas unwegsameres Gelände wie Schotterwege umfasst machen. Das Gewicht kann hier schon mal 20 Kg betragen.

Die Touring Scooter weisen noch mehr Akkukapazität auf: das kann schon mal bis zu 20 Ah sein, was Reichweiten von 65km ermöglicht. Oft sind hier auch noch größere, Luftreifen vorhanden und aufwendigere Fahrwerke. Hiermit sind ausgedehnte Touren machbar sowie sicherlich auch manch Querfeldeinfahrt. Vom Gewicht liegen diese Scooter meist deutlich über 20kg.

Ja, und bei den Premium Modellen - kommt meines Erachtens noch ein Bonus für die Marke hinzu. Der Metz Moover schafft z.B. auch nur 25km, kostet aber über 1000€. Der BMW X2City hat 11,3 Ah bei einem 250W Motor, Reichweite 25-30km und liegt um 1300€ - nun ja. Wer es braucht.

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Bild: pixabay

Auf was sollte man achten?

Die Motorleistung sollte 350W nicht unterschreiten damit kleine Steigungen kein Problem sind. Bei der Akkukapazität muss man überlegen was man machen möchte - zur Arbeit oder doch mal eine Tour? Muss ich den Scooter irgendwo tragen, in der Bahn oder vielleicht in die Wohnung? Spielt somit das Gewicht eine Rolle? Und dann gilt es zu Vergleichen..

Ich habe mich schon fast auf den ePF 1 Pro eingeschossen. Das ist ein Scooter der Anfang Juni erscheint und relativ günstig zu haben ist (639.-) Er wiegt 16,8 kg und hat einen 11,6 Ah großen Akku der den 418 W starken Motor speist. Damit sollten mittlere Touren bis zu 40km machbar sein, trotzdem ist er gut zusammen klappbar und nicht zu schwer. Für meine Foto-touren durch die Citys sollte das Ding ideal sein.
Zudem handelt es sich um einen deutschen Hersteller, der auch seine Ersatzteile für den Endkunden anbietet. Das werte ich als enormen Vorteil, denn man hat schon davon gelesen das selbst um einen Reifen zu tauschen der Scooter eingeschickt werden musste und man so 2-3 Wochen nicht mobil war.

Eventuell kommt aber auch der Kalle Touring in Betracht, der im August für 849€ erscheinen soll. Dieser Touren-Scooter von der Firma Trittbrett scheint mir mit seinen 500W Motor und 18 Ah Akku, der Reichweiten von 65km ermöglichen soll auch sehr interessant. Die Firma ist mir auch sehr sympathisch, der "Kalle" war mir nur vom Akku zu klein, für seine 499€ ist er aber echt eine Ansage!

Thema Reichweite nochmal

Hier möchte ich einmal ein Auszug aus den FAQs auf der Seite von ePF geben:

  • Mit einem 55kg Fahrer kommt man 14% weiter als mit einem 75kg Fahrer.
  • Ein 102kg Fahrer kann, bei optimalen Bedingungen, 23,6 km Vollgas fahren, d. h. Der 102kg Fahrer verliert 28,5% Reichweite gegenüber dem 75kg Fahrer, nur wegen des Gewichts.
  • Bei 14°C Außentemperatur verliert man 25% Reichweite im Vergleich zu 25°C Außentemperatur.
  • Wenn man eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 15,6 km/h fährt (statt 20,6 km/h) kommt man 15% weiter.
  • Wenn man den, im Bereich der StVO nicht legalen, 31 km/h Controller fährt (Durchschnittsgeschwindigkeit 26,2 km/h) verliert man 22% Reichweite.

Wenn man das o.g. richtig einordnet bedeutet das: Ein 102kg Fahrer schafft nur 23,6 km Vollgas, bei 25°C. Wenn es dann nur 14°C warm ist, bleiben dem 102kg Fahrer noch 17,7 km Reichweite. Ohne Steigungen und ohne Stop-and-go Ampelverkehr. Durch diese Einflüsse wird es noch weniger...

Fazit

Ihr seht - das Thema ist durchaus umfangreich, macht aber Spaß! ich kann nur empfehlen sich mal einen Scooter in der nächsten Stadt zu leihen und das ganze mal zu probieren. Die Leihscooter wiegen übrigens meist so 20-25kg - so kann man schon mal schauen wie es ist diese Gewichtsklasse den Bordstein hoch zu hieven. Bock macht es trotzdem und je mehr man damit rumjuckeln kann - umso besser, oder?

Und wenn wir mit den Scootern auch nicht die Verkehrswende schaffen - so können wir doch trotzdem eine menge Spaß beim herum cruisen haben! Oder was meint Ihr?

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@altobee meld dich mal auf dem DACH Discord, bezüglich E Scooter hab ich das vielleicht was für dich :)

Grüße, Benny^^ :)

Moin Benny :) mach ich die Tage mal, ich muss mir erstmal wieder Discord installieren - hab ich aktuell gar nicht mehr auf dem mac.

Bin aber erstmal Campen über Pfingsten :) liebe Grüße

Muss ich unbedingt mal ausprobieren

auf jeden Fall! Ich hätte nicht gedacht das das soviel Laune macht damit herum zu düsen :)