Amazon

in #deutschlast month (edited)

Aus gegebenem Anlass paar Worte zu Amazon und dem ständigen Gemecker über die Firma.

Grund für das Rumhacken auf der Firma scheint zu sein, dass es a) ein sehr straff organisierter Laden ist und b), dass es ein amerikanischer Betrieb ist.

Damit sind für die üblichen linken Reflexe schon alle wesentlichen Voraussetzungen gegeben, um jeder Horrorgeschichte Glauben zu schenken. Dazu kommen noch Berichte der Qualitätspresse über Ausbeutung und was weiß ich noch alles.

Prädikat Totaler Bullshit.

Was die Leute nervt, ist, dass Amazon extrem kundenfreundlich ist. Daher sind sie auch so erfolgreich. Das ist der zweite Punkt, den viele nicht ausstehen können: Wenn einer erfolgreich ist. Dann wird angefangen zu kritteln: "Ja, das kann ja nicht sein, das ist nur auf dem Rücken anderer und weil sie nicht fair sind ..." etc.pp. Blablabla - nur Reflexe.

Leroy hat bei der Veröffentlichung seines Büchleins nur Top-Erfahrungen gemacht. Alles sehr transparent, sehr autorenfreundlich, sehr schnell, anständige Tantieme, Top-Unterstützungs-Software.

Welcher Honk wie ich könnte kostenlos ein Buch veröffentlichen oder hätte dies tun können vor Amazon? Ich habe bisher 13 Exemplare verkauft und bin dennoch normal gelistet, das Buch wird auf Bestellung gedruckt und ausgeliefert. Die Tantieme liegen bei ca. 3 Euro pro Buch. Wenn man Sachen schreibt, die die Leute interessieren, kann man da richtig Geld verdienen! Stellt Euch vor, das Buch trifft den Bedarf und man verkauft "nur" 100 Stück pro Monat, was relativ wenig ist. Dann hat man ein sauberes, passives Zusatzeinkommen von 300 Euro. Ohne jeden Stress. Davon kannst Du bei jedem "normalen" Verlag nur träumen. Da kannst Du bezahlen dafür, dass Dein Büchlein gedruckt wird.

Gestern haben wir im Garten Besuch von bulgarischen Bekannten bekommen. Früher hätte man Gastarbeiter gesagt. Echte Malocher, ehrliche und freundliche Menschen. Leute, die die Jobs erledigen, auf die unsere Hartzer keinen Bock mehr haben.

Die haben so ziemlich alles durch. Mittlerweile arbeiten beide bei Amazon und sind total happy. Einer als Fahrer, der andere als Kommissionierer. Es gibt drei Betriebssprachen, sie bekommen fast 3000 Euro brutto, sehr angenehmes Betriebsklima, Urlaub etc. alles normal.

Die Chefs kommen jeden Tag rum und begrüßen jeden einzeln und erkundigen sich nach Wohlbefinden und Beschwerden. Wenn man schnell und mit wenigen Fehlern arbeitet, gibt es Leistungszulage.

Vom Bahnhof wird man mit eigenen Bussen abgeholt, so dass man mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen kann. Die Arbeitsabläufe sind extrem gut organisiert, es gibt kaum Wartezeiten, keine Staus.

Beide meinten, es sei der beste Arbeitgeber, den sie in Deutschland bisher hatten.

Es ist bitter, dass die Innenstädte und der klassische Einzelhandel sterben. Es ist aber nicht die Schuld von Amazon, sondern das Ergebnis der Digitalisierung. Wenn die Leute nach wie vor in die Städte rennen würden und ihren Kram beim Händler dort kaufen, gäbe es keine Probleme. Da das aber keiner mehr macht - weil man weder Zeit dazu hat noch Bock, sich von Politessen und anderen Pennern, grünen Plaketten, Parkhäusern, Staus etc.pp belästigen zu lassen - ist halt Finis. Unaufhaltsam.

Jetzt kaufen die Leute eben im Internet. Billiger, schneller, größere Auswahl. Selbst wenn man auf dem Dorf wohnt.

Soviel mal zu dem Thema.

Sort:  

Hochinteressant, Erfahrungsberichte von Arbeitnehmern bei Amazon sind mir bisher nie untergekommen! Dass sich veröffentlichen bei Amazon lohnt, wusste ich, aber dass die gesamte Erfahrung gut ist, ist mir neu. Da sollte ich mich auch endlich mal ins Zeug legen. Sehr gut rübergebracht, reblog!

Dem kann ich nur zustimmen.
Amazon beschert mir auch ein schönes Zusatzeinkommen.
Meine Frau hat es mal bei richtigen Verlagen versucht, da bekommst Du nicht einmal eine Antwort.
Das Amazon jeder hasst liegt wohl auch daran, dass sie keine Werbung in der Presse und im Fernsehen machen (wohlwollende Berichterstattung muss man sich kaufen) und meines Wissens spenden sie auch nicht an deutsche Parteien.

Also was jetzt? Ist die Digitalisierung schuld.. oder doch der marktwirtschaftsfeindliche, sozialistische Regulierungsapparat?

noch Bock, sich von Politessen und anderen Pennern, grünen Plaketten, Parkhäusern, Staus etc.pp belästigen zu lassen.

Such Dir was aus, ist letztlich egal.

okay - dann schieb ich auf's Wetter! :)
wird Zeit das wir was gegen den Wetterwandel.. eh Klimawandel machen!

Das ist eine coole Idee bei Amazon ein Buch zu veröffentlichen, und wenn das sogar relativ unkompliziert geht. Schick mal einen Link zum Angucken :)

Guckst Du hier. Mache gerne mal einen Sonderpost dazu. Wenn ich alter Mausschubser das geschafft habe, dann alle anderern erst recht ...

Coole Sache :)

sehe ich zweischneidig. Das beste an Amazon finde ich wirklich den Publisher Service (printed in Poland, Probleme durch Corona?). Aber wie du richtig sagst: wenn die Leute in der Innenstadt kaufen würde, wären die Läden noch da.

Was nerviger als Amazon ist, sind die Leute die sich über Amazon aufregen aber dann doch die Weihnachtsgeschenke bei Amazon kaufen.

In den letzten 3 Jahren habe ich glaube 3 Mal bei Amazon eingekauft. Im Internet bezahle ich aus Prinzip nur mit Bitcoin.

Du sagst es. Wenn die Leute nicht alle da ständig kaufen würden, gäbe es die Diskussion nicht.
Hast Du einen Tipp, bei welchen anständigen Stores im Internet man mit BC zahlen kann?

Nein. ich habe persönliche Erfahrung damit wie die ihre Mitarbeiter behandeln.
Die sind nicht cool - Ich kaufe da nix. Außer vielleicht dein Buch. Mal sehen.

Ein gewichtiges Statement, offensichtlich von einem angehenden Bestsellerautor in die Welt hinausposaunt.
Es freut mich in meiner Eigenschaft als Neuling auf diesem Portal gleich auf Anhieb auf einen interessanten Beitrag gestoßen zu sein, der über das Hochladen der Frühstücksbrötchen hinausragt.

Das ist fast ein Erweckungserlebnis für mich und macht Lust auf Mehr.

Hier gibt es weit mehr als den üblichen Einheitsbrei aus Katzenvideos und Foodporn.

Das ständige Gemecker muss sein. Wie auch aus den Kommentaren ersichtlich, ist Amazon nicht nur lieb, sondern auch böse. Wie wir alle, im Grunde genommen. Warum auch immer diese Zuschreibung ihren Weg in die Sprache gefunden hat. Amazon ist natürlich nicht per se böse, aber alles, was zu groß wird, um zu failen, trägt eine potenzielle Vielfaltsverdrängung in sich. Ich denke, DAS ist der Hauptgrund für das Gemecker. Die Gründe sind die Details, die man sich subjektiv rausklaubt. Aber vom Kerngedanken ist es nur konsequent, diese großen "Player" nicht mit allem zu unterstützen, sondern die kleinen Krauter, Artisten, Einzelhändler (local dealer) nicht vollkommen links liegen zu lassen. Woher die Manie kommt, alles aus dem Netz zu bestellen, das ist vermutlich den Dingen zuzuschreiben, die Leute als "nervig" empfinden.

In vollen Läden einkaufen zu gehen und dann auch noch als Misantroph die anderen als lästig und doof zu empfinden, liegt meiner Erfahrung nach an der schlichten Tatsache, dass wir diese anderen nicht kennen und keine Beziehung zu ihnen haben. Dann sind sie uns egal. Der Mensch will eigentlich den Lebensmittelhändler kennen, einen Schnack halten, wenn ihm danach ist und die Klappe, wenn nicht. Er will, dass der Händler ihn kennt und ihm ab und an mal was Gutes tut. Umgekehrt ist der Mensch, wie du in einem anderen Beitrag sagst, ein Geber. Wenn er aber nix geben kann, weil man nix von ihm will, außer sein Geld und dass er immer wieder neues Zeug kauft, wird er grätzig. Nur zu verständlich. Was kann man machen? Ich hab mein amazon Konto aufgelöst (Prime) und kauf wenig bis gar nicht online ein, das gilt für alle anderen Online-Shops. Ich bin nun nicht die Mehrheit.

Man soll mir bitte meine Sturheit lassen und die Tatsache, dass ich nicht jeden technologischen Schnickschnack mitgehen will, als Ausdruck von Vielfalt begreifen in einer Welt, in der alles gleich gemacht werden soll, wie es scheint. Die Wenigen, das sind die "Minderheiten", von denen alle immer reden und die man nicht ganz von der Tafel rasieren sollte, wenn man so etwas wie eine Gemeinschaft und einen Sinn dafür haben will. Die hardcore ökonomische Sicht aber sagt, dass man für solche Minderheiten altmodische Methoden oder Standards nicht aufrecht erhalten kann, weil sich das nicht lohnt. Das halte ich für Blödsinn. Wenn man will, kann man. Ich halte es sogar für ein Alleinstellungsmerkmal, wenn ein Händler oder eine Bank auch weiterhin offline Angebote hat, weil ansonsten kann ja gleich alles in den virtuellen Raum abwandern, um es mal extrem überspitzt auszudrücken.

Man kann natürlich auch Leute doof finden, die man kennt und tut das auch. Aus meiner Lebenserfahrung aber würde ich diese Leute, auch wenn ich sie doof finde, nicht schlechter behandeln als diejenigen, die ich toll finde. Ich rede vielleicht nur schlechter über sie, aber das wird überbewertet. ;-)

Mir ist es eigentlich egal, wo wer einkaufen geht.
Die Läden werden alle verschwinden bis auf paar Spätis und Cafés, das ist halt so. Es sei denn, man fängt an, das auch noch zu subventionieren, um eine Theaterkulisse mehr zu finanzieren.
Wenn Du einen Laden hast, dann muss der sich rechnen, ganz einfach. Wenn er sich nicht rechnet, bist Du pleite. Ob das andere Leute für Blödsinn halten, ist Rauschen im Walde :-).
Ich fahre doch nicht mit dem Auto in die Innenstadt, lasse mich schikanieren von Politessen und Parkhausbesitzern, laufe noch ewig ... NEE.
Aber ehrlich gesagt wollte ich ja auch kein Plädoyer für das Online-Einkaufen halten, sondern mit Versatzstücken von Wahrheit provozieren.
Bei Dir ist mir das leider nicht gelungen - Du bist immer so konstruktiv!

Grins.
Das ist aber elegant gesagt. Von wegen "konstruktiv". :)
Gut, dass du kein Plädoyer fürs Online-Einkaufen halten wolltest.

Ganz so toll, wie Du es schreibst, ist es jetzt auch nicht. So kriminell, wie andere es immer behaupten, erst recht nicht.

dass sie angeblich keine Steuern zahlen

Die wenigen Steuern, die sie zahlen, sprechen jedem Anstand Hohn. Ich suche die Schuld allerdings nicht bei Amazon, sondern bei der globalisierungsgeilen Politik. Amazon macht das WEIL SIE ES KÖNNEN. Wie heisst es so schön? "Wer die Pflicht hat, Steuern zu zahlen, hat auch das Recht, Steuern zu sparen." Es wäre ein Leichtes für den Gesetzgeber, einen Markt steuerlich zu isolieren. Gewinne, die hier anfallen, sind hier zu versteuern. NUR Verluste, die hier entstehen, dürfen gegengerechnet werden. Unsere Steuern sind zu hoch? Entscheidet euch, ob ihr auf einen Markt mit zig Millionen Konsumenten und guter Rechtssicherheit verzichten wollt oder nicht. Im Kern ganz einfach.

Es ist bitter, dass die Innenstädte und der klassische Einzelhandel sterben

Ich habe schonmal angedeutet, dass ich aus Prinzip kein Amazon-Konto habe. Ich kaufe NUR beim stationären Einzelhandel wenn möglich, auch wenn es mehr kostet. Ich bestelle auch bei keiner Versandapotheke, obwohl es DEUTLICH teurer ist. Ich habe selber einen gewerblichen Mieter, von dessen täglichem Kampf ich (u.a.) nicht ganz schlecht lebe und ich war selber fast ein Leben lang selbständig. Ich käme wir wie eine Drecksau vor.

Wo wir gerade von Drecksäuen reden: Die Typen, die sich im stationären Handel die Ware angucken, anprobieren, und sich z.T. intensivst beraten lassen u.s.w. und dann (teils schon im Geschäft!) den Dreck beim Billigheimer online bestellen, sind das ALLERLETZTE! Du willst bestellen? Okay, dann informiere Dich bitte auch online und stiehl nicht anderen ihre Zeit!!!

Wohlgemerkt, ich bin nicht gegen Wettbewerb, auch nicht zwischen Versand vs. stationär. Er ist krass, aber beide Kontrahenten haben spezifische Vor- und Nachteile. Wer seine Vorteile nicht ausspielt, ist selber Schuld. Wer sich nicht selber schützt, auch. Aber einigermaßen fair sollte es schon zugehen! Gerade die linksrotgrün verbohrte Autofeindlichkeit unserer städtischen Politik trägt ein gerüttelt Maß Schuld an den Problemen. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

Ich will jedenfalls auch morgen noch eine belebte Innenstadt mit einem Metzger, einer Apotheke und schieß-mich-tot haben. Dann kostet das eben was.

PS: Dass Versandapotheken scheinbar einen Kundenbestechungsrabatt auf Kassenrezepte auszahlen dürfen, ist auch so ein Ding. Ich hab's ja selber noch nie probiert, kenne nur die Werbung, aber bei den unfähigen Luschen, die bei uns das Sagen haben, würde es mich auch nicht verwundern.

Unterschreibe ich alles.
Ich mache mir sogar die Mühe und hole Bücher beim einzigen Buchladen bei uns in der Pampa ab, obwohl der 20 km entfernt ist.
Der Deutsche will es aber, anders als der Franzose und der Spanier, für die ihre Innenstädte unantastbar sind und die da abhängen und einkaufen und quatschen und rumsitzen und das Leben genießen, v.a. BILLIG.
Man muss nur sehen, was mit den Metzgern passiert. Hier in der Zone gibt es praktisch keine mehr, weil alle nur den Müll bei Aldi fressen.
Ich kann es leider nicht aufhalten.

Joo, den Metzger habe ich gerade so reingeworfen, weil wir nämlich nur noch EINEN (bzw. eine Filiale) i.d. Stadt haben (von ursprünglich 8), und der hat seit ein paar Monaten nur noch halbtags auf. Schröder, eine saarländische Großmetzgerei mit ausgezeichnetem Ruf (weil 1a Qualität) ist in Konkurs, oder zumindest ganz kurz davor. Die Ware ist für den Markt halt zu teuer. Jeder lobt es, keiner will's bezahlen.

Die kleinen Handwerksmetzger sind schon lange weg. In Saarbrücken kenne ich noch einen einzigen und der überlebt, weil dort sämtliche Handwerker, Stadtwerke, Müllabfuhr u.s.w. für ihr lecker Frühstück anstehen und sein Partyservice ziemlich legendär ist. Tönnies läßt grüssen. Wir haben im Saarland noch Glück, weil die Handelskette "Globus" eine eigene Metzgerei betreibt, die auch viel Wert auf Qualität legt. Die haben den Umsatz, dass sie die Ware auch einigermaßen wettbewerbsgerecht verkaufen können. Die Filialdichte ist akzeptabel; da geht man halt zum Monatseinkauf hin.

Bäcker ganz ähnlich. Nur noch Großbäckereien, die Industriemixe aufbacken. Der Germane in seinem Geiz-ist-geil-Wahn ist scheinbar wirklich brunzblöd! Wenigstens mein Weißbrot kann ich in Frankreich kaufen, da halten sich die boulangeries artisanales (vorläufig) noch. Man schmeckt den Unterschied, nicht nur zu D, sondern untereinander. In Schoeneck gibt's gleich hinter der Grenze zwei Bäckereien direkt gegenüber. Da gehst Du über die Strasse und es schmeckt anders - Beweis, dass "artisanale" kein Bullshit ist.

Ich kann es leider nicht aufhalten.

Ich auch nicht. Aber wir leisten scheinbar beide Widerstand. Besser als nix.